„Ja, seit 1996 …“


E-Plus, bei denen ich seit 1996 Kunde bin, ruft mich mindestens einmal im Monat an, um mir „ein Superangebot für Sie als langjährigen Bestandskunden zu machen“. Komischerweise bedeutet das im Ergebnis, dass meine Telefonrechnung am Ende des Monats höher wäre, als sie es in den vergangenen 16 Jahren war.

Trotzdem höre ich mir jedes Mal wieder gerne die Angebote an, könnte ja mal was Interessantes dabei sein. Doch mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass es sich lohnen würde, den Tarif zu wechseln.

So stellt sich die Frage: Wie wird man die lieben Call-Service-Mitarbeiter wieder los? Heute habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass man sie richtig wütend machen kann, wenn man ganz freundlich ist. Und das geht ungefähr so:

Zunächst habe ich das „langjähriger Kunde“ aufgegriffen.

„Stimmt, ich bin schon richtig lange Kunde, seit 1996. Damals habe ich mir mein erstes Handy gekauft …“

So habe ich den Servicemitarbeiter in ein Gespräch verwickelt, dass er gar nicht führen will. Er kommt schnellstmöglich wieder auf sein Angebot mit dem Kostenairbag … Moment: „Was meinen Sie mit ‚Airback‚.“ Nächstes Gespräch, das er gar nicht führen will, bevor er wieder zum Angebot kommt: „Sie als langjähriger Kunde …“

„Ja, schon seit 1996, da erwarte ich jetzt ein besonderes Angebot …“

„Sie bekommen Blablabla und Blablabla und eine Festnetzflatrate, denn Ämter und Behörden muss man ja immer noch per Festnetz anrufen …“

„Nicht nur die! Die meisten meiner Freunde rufe ich auch per Festnetz an. Da weiß man dann zumindest, wo sie sind und das man sie nicht in einem unpassenden Moment anruft. Ich meine, unpassend könnte der Moment immer noch sein, aber …“ Es entwickelt sich der nächste Dialog, der von der Gegenseite nur widerwillig geführt wird, mir aber langsam Spaß bereitet.

„Außerdem bekommen Sie noch eine Internetflat über 500MB …“

„Moment, habe ich derzeit nicht eine höhere Flat?“

„Nein, sie haben die gleiche.“

„Achso, ich kann mir das mit den Zahlen nicht merken. Meine Frau hat nämlich die kleinere und das wird dann doch etwas knapp, wenn Mitte des Monats schon die Geschwindigkeit gedrosselt wird …“ Auch dieses Gespräch missfällt dem – mittlerweile nur noch Zuhörer – am anderen Ende der Leitung.

„Und als besonderes Schmankerl, weil sie schon so lange Kunde sind …“ – „Ja, seit 1996 …“ – „Und weil Sie schon seit 1996 bei uns Kunde sind, bekommen sie noch eine mobile Festnetznummer dazu – und ich erlasse Ihnen die Anschlussgebühr in Höhe von 25 Euro.“

Jetzt bin ich natürlich überwältigt, lasse mir das aber nicht anmerken, sondern hake nach: „Mobile Festnetznummer – abgesehen davon, dass sich das widerspricht – was ist das?“

Nun wäre es mein Part gewesen, den Erklärungen zu lauschen, aber da habe ich irgendwie abgeschaltet und so erschließt sich mir der Sinn der ‚mobilen Festnetznummer’ immer noch nicht. Ich wache erst wieder auf, als ich direkt angesprochen werde: „Was halten Sie von diesem Angebot?“

Na, da hat wohl jemand den Clown gefrühstückt, was soll ich von etwas halten, wovon ich nicht einmal den Preis kenne? Also: „Was soll das Ganze denn kosten?“

„Sie bekommen Blablabla und Blabla“ – also die Aufzählung hätte er sich sparen können – „für 25 Euro im Monat.“

Nun hätte ich sagen können „Ist für mich nicht interessant“, aber ich telefonier‘ ja nicht zum ersten Mal mit einem geschulten Servicemitarbeiter. Und wenn man sagt „Das ist nichts für mich“ ist man sofort in der Defensive und wird mächtig in die Enge gedrückt. Also:

„Aber ich bezahle jetzt doch viel weniger und komme damit völlig aus.“

Langsam breitet sich Panik am anderen Ende der Leitung aus. War das ganze mittlerweile 15-minütige Gespräch umsonst? Er wirft nochmal alles in die Waagschale: „Aber nun haben Sie ja viel mehr Möglichkeiten und müssen sich nicht mehr beschränken.“

„Ich beschränke mich nicht, ich komme damit völlig aus.“

So geht das noch kurz hin und her, bevor er noch einen letzten Trumpf ausspielt: „Natürlich bekommen Sie das ganze auch schwarz auf weiß.“

„Oh, das ist super. Dann schicken Sie mir das doch zu und ich überlege mir das in Ruhe.“

„Äh, natürlich gilt dieses Super-Angebot nur heute. Das ist ein Tagesangebot. Sie würde aber die Modalitäten noch zugeschickt bekommen. Buchen muss ich die neue Option aber jetzt nach Ihrer Zusage.“

„Achso, nee. Dann bitte nicht.“

„Ok, dann nehme ich sie raus.“ Er würgt noch ein „Schönes Wochenende“ durch den Hörer und legt auf.

Uih – fast 20 Minuten und kein Abschluss. Das täte mir jetzt leid, aber bitte liebes E-Plus-Team: Macht doch mal ein Angebot mit dem ich weniger bezahle als bisher und genauso viel telefonieren kann!

 

 

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