‚Nane & B’öttschen 2


Wie abgemeldet kann man als Vater eigentlich sein? Wäre es nicht normal, dass man morgens auf dem Markt angesprochen wird mit „Hallo Martin … ach, und das ist Dein Sohn?“ Da ich aber seltener meinen Sohn auf den Wochenmarkt begleite als meine Frau, hören sich die morgendlichen (frühmorgendlich – wir sprechen von kurz vor 7 Uhr) aber ganz anders an.

Auf dem Weg zum Biostand. Handelnde Personen: Die Biomarktstandverkäuferin, die Fischverkäuferin, die zum Quatschen und Erdbeerenessen am Biostand rumlungert, Lasse im Kinderwagen und noch eine namenslose Person, deren Identität im Laufe des kurzen Gesprächs aufgedeckt wird.

Fischverkäuferin: „Ah, schau mal. Da kommt Lasse. Na, wen hast Du denn diesmal dabei. Ist Papa mit Dir einkaufen?“ (Damit wäre das auch geklärt.)
Biomarktstandverkäuferin: „Guten Morgen, Lasse. Schon so früh unterwegs. Geht sofort los.“
Lasse (setzt sein unwiderstehlichstes Lächeln auf): „’Nane!“

Natürlich bekommt Lasse sofort die Banane, die Papa ihm auch gleich schält und in die Hand drückt. Ab nun wird Papa auch ins Gespräch mit einbezogen, wenn auch nur nebensächlich.

Weiter geht’s zum Gemüsestand. Da es hier für Lasse nichts zu holen gibt, lautet der eindeutige Befehl „Weiter!“ Anders sieht es beim Steinofenbäcker aus, wo Lasse auf seine freundliche Bitte „B’öttschen!“ natürlich umgehend ein Brötchen bekommt. Dieses ist  allerdings in Gefahr, als Lasse und seine Begleitung die Landschlachterei erreichen.

Landschlachtereifachverkäuferin I: „Ach, da ist er ja wieder. Na, freust Du Dich schon. Bestimmt möchtest Du eine Wurst.“ (Sie rollt eine Wurst ein, gibt diese der Begleitung, die in dieser Umgebung noch nicht als ,Papa‘ identifiziert wurde. Die Begleitung will sie gerade weiter reichen …)

Landschlachtereifachverkäuferin I: „Oh, Vorsicht! Gleich wirft er das Brötchen weg. Das müssen Sie ihm erst abnehmen.“ (Animiert von dieser Idee, holt Lasse aus, um sich des Brötchens in hohem Bogen zu entledigen und die ganze Aufmerksamkeit der Wurst zu widmen. Doch die Rechnung hat er ohne seine Begleitung gemacht, die ihm das Brötchen schnell aus der Hand nimmt und für später neben der ebenfalls angeknabberten Banane verstaut.)

Landschlachtereifachverkäuferin I zu Landschlachtereifachverkäuferin II: „Schau mal, ist der nicht niedlich.“ (Lasse sagt nix, mummelt an seiner Wurst und beschränkt sich auf ausgiebige Flirterei.)

Landschlachtereifachverkäuferin II: „Ja, und Papa hat diesmal auch die Handbremse angezogen.“ (Neben der Identitätsklärung ist das ein kleiner Seitenhieb auf Lasse’s Mama, die letztes Mal keine Handbremse zog und der Junge sich Richtung Blumenstand unfreiwillig verabschiedete.)

Erneut spielt die anschließende Konversation zwischen Papa und Landschlachtereifachverkäuferinnen keine größere Rolle. Der Marktbesuch ist damit auch schon beendet. Bilanz: Wurst ist verschlungen, Banane fast und Brötchen wird wenig später mit „Mlade“ am Frühstückstisch verdrückt.

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2 Gedanken zu “‚Nane & B’öttschen

  • Martin

    Und Mama geht es kaum anders. Auch sie wurde heute ignoriert: „Hallo Lasse, na heute ist wieder Mama dabei? Letzte Woche hatte Papa dich doch begleitet.“