Die Frau mit den Fahrrädern in Peking


Mit der Tatsache, dass es in Peking neun Millionen Fahrräder gibt und das so sicher ist, wie ihre Liebe bis zu seinem Tod, schrieb die Britin Katie Melua mit ihren 23 Jahren bereits Musikgeschichte. Die Textzeile wandelt zwischen Lyrik und platter Poesie und genau das kennzeichnet auch die neue Platte Pictures – ihrem dritten Werk in drei Jahren. Melua gehört zu der jungen neuen Garde von Singer-Songwriterinnen, die Pop mit Jazz mischen und denen man in ihrem zarten Alter diese Musik gar nicht zutraut. Gegenüber ihrer amerikanischen Kollegin Norah Jones (28 Jahre) überwiegt bei Melua der poppige Anteil und macht ihre eingängigen Songs genau richtig für einen herbstlichen Abend mit einer heißen Tasse Kakao eingemummelt unter der Wolldecke auf dem Sofa.

Katie Melua - PicturesDie kleinen Geschichten erzählen wunderbar sanft-sarkastisch von dem Überwinden von Trennungsschmerz (What I Miss About You) und gleich danach fühlt sich das „Leben ganz neu an“ (Spellbound). Umstrittene Textideen bringt sie auch wieder hervor, wenn sie das abgegriffene Bild des Engels auf der einen und Teufels auf der anderen Schulter beschwört, doch wie schon bei Nine Million Bicycles vom Vorgängeralbum bekommt sie auch bei Dirty Dice die Kurve und erzählt eine weitere schöne Geschichte.
Katie Melua haucht ihre Songs und im nächsten Moment scheint ihre kristallklare Stimme zu zerbrechen, was sie dann auch tut und das passt dieser kleinen zierlichen Person passt, „die mit ihren riesigen Ki-Ka-Kulleraugen alle verfügbaren Beschützerinstinkte weckt “ (Stern). Jazzig wird es bei der melancholischen Ballade What It Says On The Tin. Und sogar ein bißchen Reggae (Ghost Town) hat sich auf das hervorragend produzierte Studioalbum verirrt, das von der ersten bis zur 45 Minute ohne einen Aussetzer auskommt und mit Sicherheit zu den besten Alben dieses Herbstes gehört – Katie Melua erzählt die Geschichten, wenn es draußen stürmt.

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