„Arnheim? Wo wollen sie da denn hin?“


Reisevorbereitungsfarce, Teil I

Gut, wir sind nunmal immer etwas spontan und spät dran, wenn es um Reisevorbereitungen geht, aber muss uns die Bahn schon in den Rücken fallen, bevor wir unseren Urlaub überhaupt erst angetreten haben? Natürlich waren die Erwartungen niedrig nach unserer letzten Bahnreise nach Wien, aber wir ließen uns zu einem neuen Abenteuer mit der Bahn überreden, schließlich wirbt die Bahn großspurig: „Radeln und Bahnreisen – eine tolle Kombination für mobile Menschen“

Doch gemach, denn es müsste heißen: Radeln und Bahnreisen – eine tolle Kombination für mobile Menschen, die nicht im Internet buchen wollen, denn Fahrradreservierungen sind im Internet nicht möglich. Also versuche ich es mal telefonisch.

Ich: Ich möchte gerne eine Radreise von Rastede nach Arnheim buchen, für zwei Personen mit Fahrrädern.

(Lasse unterschlage ich an dieser Stelle ganz bewusst, denn das würde die Kompentenz am anderen Ende der Leitung nur verwirren. Wie recht ich mit dieser Unterstellung habe, wird sich im Laufe des Gesprächs herausstellen.)

Stimme: Ja, sehr gerne. Von wo möchten sie starten.

Ich: Rastede

Stimme: ??? (Die kann man jetzt nicht hören, aber durchs Telefon spüren)

Ich: Errr – AAAA – Esssss – Teeeee – EEEEE – Deeeee – EEEEE

Stimme: R – A – S – T – D – E

Ich: Nee, da fehlt ein E an der richtigen Stelle hinter dem T.

Stimme: Also Raschtede?

Ich: Ja, meinetwegen auch.

Stimme: Rastede, Marktplatz oder Rastede, Bahnhof?

Ich: Bahnhof würde schon Sinn machen.

Stimme: Und wo soll es hingehen?

Ich: Nach ARNHEIM.

Stimme: Hmmm. Moment.

(Also ein ziemlich langer Moment)

Stimme: Arnheim. Wo denn da genau, es gibt hier ziemlich viele Einträge.

Ich: Ich möchte einfach nur nach Arnheim. Bahnhof würde sich hier auch anbieten …

Stimme (murmelt): Wenn ich jetzt wüsste, was Bahnhof auf holländisch heisst …

Ich (bin ja gerne behilflich): Also, wenn ich bei bahn.de die Verbindung suche, kann ich einfach Arnhem anklicken …

Stimme: Arnhem oder Arnheim?

Ich: Das ist bei bahn.de ziemlich egal, das eine ist die holländische schreibweise und das andere die deutsche.

Stimme: Ah, jetzt habe ich nur Arnheim gefunden, nehmen wir doch das.

In der Folge tauschen wir uns kurz über das Datum aus.

Ich: Was kostet das denn nun?

Stimme: 51,50 Euro.

Ich: Für zwei Personen und Fahrräder? Also ich hatte einen Preis von 88 Euro.

Stimme: Fahrräder? Äh, das habe ich noch nie gemacht. Moment …

(Wieder ein ziemlich langer Moment)

Stimme: Nee, das wird so nix, da muss ich mal eben einen Kollegen fragen.

(Dauert noch einen ziemlich Moment)

Stimme: Also Fahrräder können Sie nicht für diese Strecke buchen

Ich: Das sehe ich online aber anders.

Stimme: Ehrlich gesagt, ich weiß nicht weiter …

Ich: Das merke ich … bis zum nächsten Mal.

Wobei dieser Abschiedsgruß natürlich totaler Unsinn war

Ehrlich gesagt, war die Inkompentenz der Bahn-Mitarbeiterin noch ein bisschen schlimmer, als es das Telefongespräch vermuten lässt. Aber was soll’s. Nächster Versuch ist ein Reisebüro mit Bahn-Kompetenz, gefunden im Reisebüro Wege in Brake. Das mit der Kompetenz ist allerdings ein zweischneidiges Schwert.

Ich: Guten Tag. Ich möchte mit der Bahn von Rastede nach Arnheim reisen. Zwei Personen, zwei Fahrräder und ein Anhänger.

Person: Möchten Sie die Reise buchen?

Ich (verwirrt): Ja, natürlich, wenn Sie ein passendes Angebot haben?

Person: Wenn Sie nicht buchen, müsste ich eine Servicepauschale von 2,50 Euro nehmen.

Ich (immer noch verwirrt): Äh, aber wenn Sie kein passendes Angebot haben?

(Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass er abgewunken hat, nach dem Motto: „Wird schon gehen.“ Nachdem die Daten abgeklärt sind, geht es um die Fahrräder.)

Ich: Können wir die Fahrrad-Reservierung hier denn buchen. Und was ist mit dem Anhänger?

(Diesmal kann ich die ??? nicht nur hören, sondern sogar im Gesicht sehen. Immerhin greift er zum Telefonhörer und klärt diese Fragen ab)

Person: Also ich kann nur die Strecke von Osnabrück nach Deventer reservieren. Da müssen Sie dann umsteigen. Aber da haben Sie nur fünf Minuten Zeit. Und keine Reservierung. Und den Fahrradanhänger müssen Sie zusammen klappen. Also das würde ich Ihnen nicht empfehlen.

Ich: Und was würden Sie dann empfehlen?

Person: Also nach Arnheim. Hmm, das ist schwierig. (Übersetzt wollte er sagen: Wie wäre es mit einer Flugreise nach Dubai, ich hätte da ein Angebot für Sie)

Auch dieses Gespräch hatte sich ergebnislos totgelaufen. Nicht erwähnt sei die Episode mit der Frau, die zwischenzeitlich ins Reisebüro kam mit der Nachricht „Ich habe da ein graues Auto angefahren.“ Mein Auto ist zwar nicht grau, sondern „lichtgrau“, gemeint hat sie es aber trotzdem. Super Sache.

Gebucht haben wir diese Tour dann trotzdem. Im Rasteder Reisebüro Bruns, die das ganze sogar telefonisch abgewickelt haben. Von Rastede geht es über Osnabrück und Deventer nach Arnheim. Reserviert ist die Strecke nach Osnabrück über die Nordwestbahn (übrigens ein sehr netter und angenehmer Gesprächspartner an der Reservierungshotline) und die Strecke von Osnabrück nach Deventer im IC. Danach haben wir tatsächlich nur fünf Minuten Zeit den Zug zu wechseln und müssen hoffen, dass es dort Platz für unsere beiden Fahrräder und den Kinderwagen gibt. Einen Fahrradanhänger nehmen wir doch nicht mit – ein Kinderwagen ist kostenlos und den darf man immer mitnehmen.

Nun bin ich wirklich gespannt, ob das wirklich alles so klappt. Wir werden nächste Woche berichten.

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